Cersaie 2021

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Klare Trends im Design, grosse Unklarheit in der Wirtschaft 

Die diesjährige Cersaie in Bologna blickt auf eine erfolgreiche Messe zurück: Mehr als 600 Aussteller und über 62'000 Besucherinnen und Besucher erlebten unzählige Emotionen, Innovationen und Inspirationen.  

Über den Megatrend «zurück zur Natur» und weitere Höhepunkte der Cersaie sprechen wir mit Paolo Fiorini. 

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CERSAIE

Paolo Fiorini repräsentiert (zusammen mit Ivo Saccomanno) Florim, ABK und Ceramiche Capri Santamaria in der Schweiz und schildert seine Eindrücke der Cersaie. 

Auffällig an der diesjährigen Cersaie waren Kollektionen mit floralen Elementen. Gibt es in der Keramikbranche einen Trend zurück zur Natur? 
Paolo Fiorini: Definitiv. Von der Natur inspirierte Sujets sind der Megatrend. Blumen, Bäume, Blätter finden sich bei den verschiedensten Herstellern, nachdem z.B. Florim mit der Kollektion I Filati di Rex vor ein paar Jahren eine Marke gesetzt hatte. Die Keramik nimmt die Thematik der Tapete und insbesondere der Raufasertapete auf und interpretiert sie neu. Bei den Farben gibt es einen starken Trend in Richtung Pastelltöne. Diese Entwicklung findet allerdings im eher hochpreisigen Sektor statt, wo Keramik mit Design und Lifestyle kombiniert wird. Im günstigeren Bereich herrschen die klassischen Wand- und Bodenplatten weiterhin vor. 

Bezieht sich das Naturbewusstsein auch auf die Nachhaltigkeit der Produkte? 
Ja, unbedingt. Nachhaltigkeit ist bei allen Herstellern ein grosses Thema. Das hat einerseits mit der zunehmenden Dringlichkeit für den schonenden Umgang mit der Umwelt zu tun. Einige Hersteller, wie zum Beispiel Florim, haben mit Benefit und B-Corp bereits im März 2020 Zertifikate eingeführt. Die Nachhaltigkeit hat aber auch mit den Ressourcen zu tun – Rohstoffe und Energie müssen immer bewusster und sorgsamer verwendet werden. 

Verschiedene Motive scheinen die Aussenwelt in den Innenraum zu transportieren – hat da möglicherweise Corona mitgeholfen, weil man sich vermehrt zuhause aufhält?  
Corona hat der Branche einen Impuls gebracht. Es ist tatsächlich so, dass die Leute weniger reisen und mehr Zeit zuhause verbringen. So machen sie sich auch mehr Gedanken über ihr Heim und investieren ihr Geld dort. Dass man sich mithilfe von der Natur inspirierter Sujets den Wohnraum verschönert, ist doch ein sympathischer Gedanke. Hier spielt aber noch ein anderer Aspekt mit: Die Holzpreise sind enorm gestiegen, die Nachfrage ist knapp und so ist es naheliegend, auf Keramik umzusteigen – auch wenn es am Schluss Holzoptik ist...  

Was fiel sonst speziell auf? 
Grossformatige hochwertige Platten in Marmoroptik sind nach wie vor sehr präsent, und erstmals nach mehreren Jahren wurde an der Cersaie keine grosse oder spezielle Keramik in Betono- und Holzoptik präsentiert. 

Wie kann man die Stimmung an der Cersaie – endlich wieder physische Kontakte! – beschreiben? 
Natürlich war es gut, dass man sich wieder sehen und austauschen konnte. Über aller Freude aber hängen wie eine Drohung einige grosse Fragezeichen: Wie entwickeln sich die Kosten für die Energie, das Rohmaterial? Welche Zinspolitik fahren die Nationalbanken? Wie stark wird die Inflation und wie prägt sie die Wirtschaft? Darüber, da sind sich alle einig, herrscht grosse Unklarheit. In unserem Markt gibt es eine gewisse Positivität und Energie, aber es ist unbedingt erforderlich, die Situation sorgfältig unter Kontrolle zu halten. Qualität und zuverlässige Beziehungen zu Partnern sind unerlässlich, um im Laufe der Zeit die richtigen Ergebnisse zu erzielen. 

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