Rohstoffknappheit Keramikbranche

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Lieferengpässe und Preisanstieg in der Keramikbranche?  

Die Wirtschaft ist – mit Ausnahme einiger Branchen, wie z.B. der Gastronomie – einigermassen gut durch die Covid-19-Krise hinweggekommen. Jetzt drohen aber Rohstoffknappheit und Lieferengpässe die Baubranche zu bremsen. Damit verbunden ist auch ein Preisanstieg. Was heisst das für die Keramikbranche?  

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Konrad Imbach

Wir haben mit verschiedenen Betroffenen aus unserer Branche gesprochen. 


Konrad Imbach, SPV Zentralpräsident, gibt eine Einschätzung. 

Wie beurteilst du die Situation? 
Die heutige Situation ist die Folge der Kumulation verschiedener globaler Faktoren. Bis jetzt ist unsere Branche mit einem blauen Auge davongekommen – bei den meisten unserer Produkte sind nur einzelne Komponenten betroffen. Dadurch sind einerseits die Preiserhöhungen weniger relevant als bei anderen Gewerken, anderseits offenbart sich auch unsere Abhängigkeit.  

Handels- und Legerbetriebe sind, wenn auch nicht existenziell gefährdet, so doch betroffen. Was empfiehlt ihnen der SPV – im Umgang mit Kunden, Lieferanten, Mitarbeitenden etc.? 
Ich halte es für entscheidend, dass wir weiterhin unsere traditionellen und bewährten Werte leben: Langfristige und zuverlässige Partnerschaften mit Lieferanten, Kunden und Mitarbeitenden sind die beste Basis, um Krisen gut zu überstehen. Dazu gehört eine offene und transparente Kommunikation – es ist wichtig, möglichst früh und proaktiv über Schwierigkeiten zu informieren. So können wir intern und extern Verständnis schaffen. Ich rate auch zu einer gewissen Vorsicht bei Verpflichtungen bezüglich Terminen und Produktauswahl.  

Welche Möglichkeiten stehen dem SPV sonst noch zu? 
Wir haben ab Beginn der Pandemie unsere Mitglieder mit sachdienlichen und situationsgerechten Informationen und Hilfestellungen unterstützt. Das machen wir selbstverständlich weiterhin. Im Übrigen nehmen wir die Gelegenheit wahr, für das Thema zu sensibilisieren, sei es in der Öffentlichkeit oder bei bestimmten Ansprechgruppen, wie zum Beispiel Architekten. Und schliesslich wollen auch wir die oben genannten Werte vorleben und die Schwierigkeiten gemeinsam bewältigen. 


Wie sieht die Situation bei den Plattenlegern aus?  
Adrian Föhn, Geschäftsinhaber Föhn Platten AG, gibt Auskunft. 

Wie nimmst du die Situation wahr? 
Adrian Föhn: Zuerst einmal: Wir waren uns in den letzten zwanzig Jahren gewöhnt, dass immer alles in ausreichender Menge erhältlich war. Jetzt ist alles etwas turbulent. Damit müssen wir umgehen und etwas weiter vorausplanen.  

Welche Produkte sind vor allem betroffen? 
Das sind viele Spezialprodukte, die Leim oder andere Bindemittel enthalten, wie Kleber und Abdichtungsmaterialien, wie auch Bau- und Pavatexplatten sowie Isolationsmaterialien. Im Aussenbereich sind es zum Beispiel Stelzlager, dies wegen dem mangelnden Nachschub von Gummi. Und schliesslich ist auch Abdeckplastik knapp geworden. 

Welchen Einfluss hat die Situation auf die Preise? 
Die Preise haben tatsächlich zugenommen. Da die erwähnten Materialien insgesamt nur etwa zwanzig Prozent der Auftragssumme ausmachen, halten sich die Auswirkungen in Grenzen. Wir hatten schon immer Preisschwankungen, die nicht immer eins zu eins einkalkuliert werden konnten, zum Beispiel als Folge des Eurokurses, oder aufgrund von Lohnerhöhungen oder einer zusätzlichen Ferienwoche. 

Wie wirkt sich die Situation auf den Plattenlegerbetrieb aus? 
Innerhalb der Baubranche sind wir Plattenleger sicher auf der glücklicheren Seite. Die bauseitigen Verzögerungen sind für uns das grössere Problem. Es kann sein, dass wir von anderen Gewerken gebremst werden, die wegen grösserer Lieferprobleme nicht arbeiten können. Es wurden auch Bauprojekte vorläufig gestoppt, in der Annahme, dass sich die Preise in naher Zukunft wieder beruhigen.  

Wie geht ihr damit um? 
Als grösseres Unternehmen finden wir intern fast immer eine Möglichkeit, die Leute zu beschäftigen. Materialmässig haben wir bis jetzt immer eine Lösung gefunden. Ein kleinerer Betrieb kann in dieser Situation wohl eher einmal blockiert werden. Generell wird es schwieriger, Termine zu koordinieren – aber wie gesagt: Mit den Turbulenzen müssen wir umgehen. 


Michael Zaugg, Spartenleiter keramische Platten der SABAG, über die Situation beim Handel. 

Welche Produkte sind betroffen? 
Michael Zaugg: Angefangen hat es bereits im Frühling, als Bauprodukte, Abdichtungsmaterialien und ähnliches knapp und in der Folge teurer wurde. Im Frühsommer folgten die ersten Informationen von Keramikwerken über Engpässe. Das betraf nicht nur die Platten, sondern vor allem das Transportmaterial – Holz für die Paletten, Plastik für die Verpackung. Auch das hatte Preiserhöhungen zur Folge. Insbesondere bei Holz und Metall konnte man regelrecht zusehen, wie die grossen Märkte das Material an sich zogen.  

Wie wirkt sich das auf den Betrieb aus? 
Die längeren Lieferfristen bedeuten, dass wir Architekten und Planer einbeziehen und sie schon in der Submissionsphase darauf hinweisen, die Aufträge möglichst frühzeitig zu vergeben. In unserem Betrieb zeigt sich jetzt in der Krisenzeit, wie wichtig es ist, auf nachhaltige Partnerschaften zu setzen. Das verleiht uns eine gewisse Stärke, so dass wir bei unseren Lieferanten auch zum Zug kommen, wenn es enger wird. 

Und auf die Preise? 
Wie gesagt, sind mittlerweile alle Produkte inklusive Verpackung und Transport betroffen. Auch im nächsten Jahr wird es weitere Preiserhöhungen geben. Man muss allerdings festhalten, dass das erstmals seit Jahren der Fall ist und die Preiserhöhungen mit 3 bis 5 Prozent moderat sind. 

Und allenfalls auf andere Gewerke? 
Holz, und damit Parkett, ist bei uns am stärksten betroffen. Hier betragen die Lieferzeiten zum Teil Monate. Das kann für laufende Projekte schwierig werden. Möglicherweise werden sie zurückgestellt, oder aufgrund der steigenden Kosten sogar grundsätzlich gefährdet. 

Gibt es eine Prognose, ob und wann sich die Situation ändert? 
Man hört, dass es auf dem Holzmarkt gegen Ende Jahr eine Entspannung gibt. Aber Prognosen sind immer schwierig, und in dieser Situation besonders ungewiss. 

Findet ihr Auswegmöglichkeiten? 
Wir haben bereits im letzten Jahr unsere Erfahrungen mit Engpässen gemacht und können darauf aufbauen. Unsere dezentralen Lager bewähren sich, und wir können dafür sorgen, dass unsere Lagerprodukte lieferbar sind. Diese Bestände orientieren sich an der Nachfrage und wir können sie – anders als alles, das wir nicht am Lager haben – direkt beeinflussen. So können wir, mit Unterstützung unserer langjährigen Partner, den Dienst am Kunden aufrechterhalten.

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Adrian Föhn
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Michael Zaugg
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