Rohstoffknappheit Keramikbranche

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«Bauherren und Architekten sofort informieren, wenn Probleme auftauchen» 

Die Wirtschaft ist – mit Ausnahme einiger Branchen, wie z.B. der Gastronomie – einigermassen gut durch die Covid-19-Krise gekommen. Jetzt drohen aber Rohstoffknappheit und Lieferengpässe die Baubranche zu bremsen. China und die USA haben einen enorm gestiegenen Bedarf an Baumaterialien, die Preise schnellen in die Höhe. Das betrifft insbesondere Produkte, die auf Stahl und Erdöl basieren, wie auch Holz. Wie sieht die Situation in der Keramikbranche aus? Carlo Bazzi, Geschäftsführer der Bazzi Piastrelle SA und Mitglied des SPV Zentralvorstandes, gibt Auskunft zur Situation der Lage.

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Carlo Bazzi

Wie wirkt sich die Rohstoffknappheit der Baubranche auf die Keramikbranche aus? 
Carlo Bazzi: Unsere Branche wurde bis anhin zum Glück weniger hart von der Rohstoffknappheit getroffen – im Vergleich zu anderen Sektoren der Baubranche. Auch wir spüren aber die Lieferengpässe. Sei es wegen Verzögerungen auf den Baustellen, die durch fehlende Materialien anderer Gewerke verschuldet sind oder weil unsere Lieferanten Mühe haben, das Material pünktlich zu liefern. 

Bei welchen Produkten unserer Branche ist das besonders zu spüren? 
Wir haben besonders bei den 20-mm-Aussenplatten Lieferprobleme. Diese sind aber nicht der Rohstoffknappheit zuzuschreiben, sondern eher dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020, der die gesamte Plattenproduktion Italiens stillgelegt hat. Ausser Lieferengpässen haben wir auch mit den Preiserhöhungen zu kämpfen. Bei den Platten halten sich diese aber noch einigermassen in Grenzen – gegenüber anderen Baumaterialien wie Holz oder Stahl. 

Wie können wir Plattenleger unsere Auftraggeber dafür sensibilisieren? 
Wir müssen Bauherren und Architekten sofort informieren, wenn Probleme auftreten und, wenn möglich, auch schon einen Lösungsvorschlag bereithalten. Auch müssen wir bei den Kunden für Verständnis plädieren. Die Situation ist ja nicht unserem Betrieb oder unserer Branche zuzuschreiben, sondern die gesamte Baubranche weltweit muss momentan damit zurechtkommen. Leider ist das Verständnis für die ausserordentliche Situation nicht immer da. 

Wie kann der Handel reagieren? 
In der Beratung - sei dies in der Ausstellung oder im Aussendienst - muss man den Kunden sofort darauf hinweisen, dass momentan nicht alle Materialein sofort verfügbar sind. Wenn der Kunde das Material dringend braucht, sollte man sofort beim Lieferanten die Verfügbarkeit überprüfen. Sollte es in der gewünschten Zeit nicht verfügbar sein, kann man dem Kunden eine Alternative vorschlagen. 

Ein guter Lagerbestand ist auch sehr wichtig, besonders bei häufig nachgefragten Artikeln. Bei der riesigen Auswahl, die die Keramikindustrie anbietet, ist es aber schwierig, immer alles sofort zur Verfügung zu haben. 

 

Rechte und Pflichten für Unternehmer/innen 

Wie sieht eigentlich die rechtliche Situation aufgrund der Materialknappheit und deren Folgen aus? Um die wichtigsten Fragen zu beantworten, hat Martin Schneider, Geschäftsführer von Mapei Suisse, ein Interview mit Hans Stoller, dipl. Architekt ETH/SIA, lic. iur., geführt.  

Darin erklären sie, was Unternehmer bei bestehenden Verträgen beachten müssen und unter welchen Umständen Preisanpassungen und Fristerstreckungen verlangt werden können. Ausserdem führen sie aus, welche Informationen Unternehmer in der jetzigen Situation bei der Offerterstellung berücksichtigen müssen.  

Das Interview könnt ihr unter diesem Link anschauen. 

Der SPV wird sich im nächsten Newsletter noch eingehender mit der Thematik beschäftigen. Wir sprechen mit verschiedenen Exponenten unserer Branche und beleuchten, was das Thema Materialknappheit für sie bedeutet.

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