Dumpinglöhne in der Plattenlegerbranche

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Ein Temporärbüro vermittelt einen Arbeiter an eine Plattenlegerfirma (kein Mitglied des SPV) für den Einsatz an einem Grossauftrag und bezahlt ihm einen Stundenlohn von 16 Franken. Die Sektion Ticino fordert Fairness von allen Akteuren.

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Dumping-Löhne

Dass Dumpinglöhne in der Branche bezahlt werden, wusste man eigentlich schon lange. Jetzt landete ein Fall vor dem Bundesgericht in Lausanne. Aufgrund dessen Entscheid auferlegte die Paritätische Kommission für Bau und Technik des Kantons Tessin dem Vermittlungsbüro eine Busse von 12'000 Franken. Für die Sektion Ticino ist das aber nur ein halber Erfolg, wie der Präsident Giorgio Gaffuri und der Vize-Präsident Antonio Regazzoni gegenüber der Zeitung Corriere del Ticiono erklären: «Das Urteil straft nur das Vermittlungsbüro, nicht aber das Unternehmen, das den Arbeiter während mindestens 800 Stunden beschäftigt hatte. Darüber hinaus hat diese Firma fünf Personen als ‘Lastträger’ deklariert, eine Berufsbezeichnung, die, wie man wissen sollte, in unserer Branche gar nicht existiert.» 

Für eine Verurteilung der Plattenlegerfirma fehlt die rechtliche Grundlage und so befürchten Giorgio Gaffuri und Antonio Regazzoni, dass die besagte Firma weiterhin an Aufträge der öffentlichen Hand kommt, weil sie dank ihren Dumpinglöhnen weit unter der Konkurrenz offerieren kann. «Das Gesetz verbietet zwar unlauteren Wettbewerb, aber bis heute bringt es nichts, solche Schlitzohren zu verzeigen, weil es fast unmöglich ist, den Tatbestand zu beweisen.»  

Im Kanton Tessin arbeiten rund 600 Personen in der Plattenlegerbranche, 65 % davon sind Grenzgänger. Der Mindestlohn des LGAV gilt für alle Arbeitnehmer. Im Tessin hat in den letzten Jahren ein starker Preissturz stattgefunden. «Wenn es auch nur eine Minderheit ist, die gegen den LGAV verstösst, so zwingt es doch die korrekt agierenden Unternehmen, zu Preisen zu offerieren, die ihre Kosten nicht mehr decken», stellt Giorgio Gaffuri fest. «Wenn Aufträge zu Niedrigpreisen und ohne Prüfung der Glaubwürdigkeit vergeben werden, ist nicht mehr gewährleistet, dass die öffentlichen Aufträge eine gesunde Tessiner Wirtschaft unterstützen.» 

Bereits vor drei Jahren machte Giorgio Gaffuri an der Sektionsversammlung auf den Missstand aufmerksam. «Wir brauchen neue Kontrollmechanismen, um unseren LGAV durchzusetzen. Ich rufe die Gewerkschaften auf, zusammen mit den Arbeitgebern gegen die Gefahr vorzugehen. Sonst überlassen wir das Feld denjenigen Unternehmen, die lediglich das System und die Arbeitnehmer ausnützen.» Giorgio Gaffuris Appell richtet sich auch an die Politik, den Stellenwert des Handwerks zu respektieren: «Es macht keinen Sinn, einerseits die Berufsbildung zu fördern, und sie anderseits bei der Auftragsvergabe nicht zu berücksichtigen.» Und auch von den Bau- und Generalunternehmen fordert er einen fairen Umgang mit den Handwerkern.  

Giorgio Gaffuri geht es nicht um neue Gesetze und zusätzliche Bürokratie. Unter Wahrung der freien Marktwirtschaft ruft er die öffentlichen und privaten Auftraggeber auf, Tiefpreise zu hinterfragen und nicht zu Komplizen des Missbrauchs irgendwelcher Art zu werden.  

Wir danken unseren Tessiner Kollegen für ihren Einsatz für einen fairen Arbeitsmarkt und für die Wertschätzung unserer ausgewiesenen Fachkräfte.  

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