Frauen in Spitzenpositionen

News

"Wichtig ist, dass ich alle gleich behandle"

Nicole Ott (45) ist seit fünf Jahren Geschäftsleiterin, Inhaberin und Verwaltungsratspräsidentin der Reinhard Ott AG in Arlesheim. Sie ist gelernte Plattenlegerin mit Weiterbildung zur Plattenlegerchefin und Plattenlegermeisterin. Nicole ist verheiratet und hat eine 11-jährige Tochter. Wie schafft sie das?

image
Nicole Ott

Du bist eine der wenigen Frauen, die ein Plattenlegerunternehmen leiten. Hast du einen weiblichen Führungsstil? 
Das weiss ich nicht genau, vielleicht habe ich einfach einen zeitgemässen Führungsstil. Dazu gehören die Förderung der Mitarbeitenden, die Teamarbeit, das Vertrauen und die Konstanz. Ich habe zum Beispiel eingeführt, dass wir uns in den regelmässigen Mitarbeitergesprächen auf zwei Schwachpunkte und zwei Stärken beschränken. Die Schwächen stärken wir mit gezielten Massnahmen und die Stärken bauen wir aus. Alle Mitarbeiter werden entsprechend ihren besten Fähigkeiten eingesetzt – so gibt es in meinem Betrieb nur gute Mitarbeiter. Für mich gibt es nichts Schöneres als zu sehen, wie sich jemand weiterentwickelt, seine Fähigkeiten entdeckt und optimal einsetzt. 

Wie lässt sich ein Team von 40 Mitarbeitenden zusammenhalten? 
Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Die Leute sind sehr autonom, haben ihr Firmenauto und sind auf die Baustellen verteilt. Alle nehmen ihre Verantwortung wahr. Das ist auch für die Mitarbeitenden anspruchsvoll, aber ich darf feststellen, dass unser Team stark gewachsen und gleichzeitig sehr konstant ist. Zur Teambildung gehören unter anderem interne Weiterbildungen mit anschliessendem gemütlichem Teil, Ausflüge oder gemeinsame Apéros – sobald Corona das wieder zulässt! Mir ist wichtig, dass ich allen gegenüber, vom Neuling bis zum Plattenleger mit mehr als 30 Dienstjahren, die gleiche Wertschätzung zeige. 

Du hast als Quereinsteigerin die Ausbildung zur Plattenlegerin, zur Plattenlegerchefin und zur Plattenlegermeisterin absolviert. Da warst du vermutlich eine Art Exotin... 
Vor allem hatte ich zuerst keine Ahnung vom Bau. Nach Gymnasium, Fachhochschule als wirtschaftliche Betriebsleiterin, Flight Attendant, Key Account Managerin in einem Reinigungsinstitut war ich 28-jährig in die Administration der Firma meines Vaters eingestiegen. Es war mir wichtig, die Arbeit von Grund auf kennenzulernen. Exotin war ich aber weniger wegen meines Geschlechts, sondern aufgrund des Alters. Und hier lernte ich auch ganz andere Menschen kennen als in meinen früheren Betätigungen. Als Frau auf dem Bau geniesst man aber auch Vorteile – man wird tendenziell eher unterschätzt und umso grösser ist dann die Überraschung über die Fähigkeiten. So bleibe ich oft in guter Erinnerung, und es haben sich viele sehr angenehme Kundenbeziehungen ergeben. 

Zu eurem Team gehören auch zwei lernende Plattenlegerinnen. Ist das eure Form der Frauenförderung? 
Beide haben sich bei uns gemeldet, ohne zu wissen, dass sie hier eine Chefin haben würden. Sie sind jetzt im zweiten Lehrjahr und entwickeln sich sehr gut. Ich habe ihnen angeboten, dass ich ihnen helfen würde, falls sie Schwierigkeiten haben sollten. Das war aber bisher nicht nötig. Frauenförderung ist in unserer Branche schwierig, weil es überhaupt nur ganz wenige Frauen gibt. Das Wichtigste für mich ist, dass ich Frauen und Männer gleich gut behandle. 

Bringen Frauen neuen Schwung, neue Ansätze und Lösungen in die Branche? 
Ich glaube, es geht mehr um Werte als um das Geschlecht. Klar bin ich oft die einzige Frau unter Männern und vielleicht fördert diese Zusammensetzung das angenehme Klima. Aber ausschlaggebender ist wohl der Umstand, dass sich Menschen mit der gleichen Wertehaltung gegenseitig anziehen. Das gilt für Kunden genauso wie für Mitarbeitende. 

Wie bringst du Familie und Unternehmen unter einen Hut? 
Gar nicht... Als Frau mit Kind und Mann eine Karriere zu machen, ist sehr schwierig. Als ich schwanger wurde, war mir klar, dass ich eines Tages die Firma übernehmen würde. Mein Mann und ich haben die Situation besprochen und dann entschieden, dass er einen Teil der Kinderbetreuung übernimmt. Trotzdem brauchte die Tochter auch mich. Wenn ich dann nach der Arbeit und der Schule nachhause kam und noch lernen sollte, brachte das uns alle zeitweise schon an die Grenzen. Aber wir schafften es und ich weiss, dass ich alles nochmal genau gleich machen würde. 

scheiwiller.png haeuptli_marchesi.png fluetsch.png bacchetta.png bruendler.png h-kaiser.png