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Wie spüren die Mitglieder des SPV die Auswirkungen der Corona-Krise?

Wir haben per Facetime nachgefragt.

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Wir haben mit Marc Graf, Inhaber von GRAF Plattenbeläge & Ofenbau in Azmoos, gesprochen: «Die Situation ist natürlich belastend, aber ich versuche meinen Humor nicht zu verlieren. Wir haben das Glück, auch jetzt gut ausgelastet zu sein. Ich hoffe, dass unsere Branche mit einem blauen Auge aus dieser Krise davonkommt.»

Marc Graf, wie geht ihr mit der Corona-Krise um?
Wir sind ein KMU mit fünf Personen. Besonders wichtig ist für uns der Schutz und die Sicherheit unserer Angestellten und des Lernenden. Ebenso versuchen wir, die Unsicherheiten im Privatbau mit der Bauherrschaft zu analysieren und Lösungen zu finden. Die Gesundheit beider Parteien ist uns sehr wichtig.

Welche Massanahmen habt ihr getroffen?
Im Moment arbeiten wir in einem Mehrfamilienhaus mit 11 Wohnungen und haben mit der Bauherrschaft und der Bauleitung die Arbeitsabläufe und die Distanz- und Raumtrennungen festgelegt. Wir haben zum Beispiel die Ausführungszeiten des Neubaus verlängert. So können wir gewährleisten, dass sich nur maximal zwei Personen pro Wohnung aufhalten und nicht im gleichen Raum arbeiten. Darauf schauen wir sehr genau. Natürlich sind alle Angestellten auch mit Desinfektionsmittel und Handschuhen ausgerüstet.

Wie kommuniziert ihr im Team?
Wir haben mehrere langjährige Mitarbeiter und es herrscht grosses Vertrauen, dass für uns ihre Gesundheit oberste Priorität hat. Das wird auch sehr geschätzt. Jeden Morgen haben wir ein gestaffeltes Team-Meeting. So weiss ich, wie es meinen Mitarbeitern geht, ohne dass wir alle gleichzeitig in einem Raum sind. Durch diese offene Kommunikation sind wir auch in schwierigen Zeiten ein gutes Team. Mir ist wichtig, dass sie bei Fragen auf mich zukommen können.

Wie sieht bei euch die Auftragssituation im Moment aus?
Wir haben das Glück, dass insbesondere in der Deutschschweiz auf den Baustellen gearbeitet werden kann. Ebenso hat unsere Firma einen soliden Grundstein an bereits eingegangenen Aufträgen, aber auch an Material und Baustoffen. Auch unser breites Netzwerk kommt uns da entgegen. Es gehen laufend neue Aufträge ein bis nach den Sommerferien. Wir sind voll im Arbeitseinsatz und das ist gut so.

Du bist Präsident der Sektion Ostschweiz. Wie ist die Stimmung allgemein?
Es herrscht Unsicherheit, was die Entwicklung der Wirtschaft betrifft. Es sind Fragen, die erst in einiger Zeit beantwortet werden. Persönlich denke ich, dass es zu einer Verlangsamung kommen wird. Ich hoffe aber auch, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen.

Wie wichtig ist Digitalisierung für Plattenleger-Unternehmen?
Ich habe festgestellt, dass diese sehr wichtig ist. Digitalisierte Betriebe sind zurzeit im Vorteil und können dadurch rationell und effizient den schwierigen, kontaktlosen Dialog zu Mitarbeitern, Bauleitung, Architekten und Bauherren aufrechterhalten. So kann der physische Kontakt auf ein Minimum reduziert werden, ohne dass die direkte Kommunikation verloren geht.

Du bildest auch einen Lernenden aus. Dieser steht nun kurz vor der Abschlussprüfung. Wie geht es ihm?
Ich sehe, dass eine grosse Anspannung da ist. Deshalb finde ich es umso wichtiger, dass wir uns um die Lernenden kümmern und ihnen helfen, wo wir können. Die Berufsschule findet momentan im Homeoffice statt. Deshalb habe ich eine Lehrstunde pro Woche für meinen Lernenden eingebaut, in der wir gemeinsam Lösungen für Probleme suchen, die sich nicht per Kamera erklären lassen. Es ist mir ein grosses Anliegen, dass ich ihn auch in dieser Zeit unterstützen kann. Seine Prüfung beginnt zwischen dem 8. Juni und Mitte Juli. Wir hoffen, so schnell wie möglich Bescheid über den Prüfungsablauf zu haben. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich eine gute Lösung finden lässt.

Erste Lockerungen sind jetzt in Sicht. Was wünschst du dir für deinen Betrieb oder die Branche?
Wir müssen wieder mehr zu uns selbst finden und noch mehr regional denken. Diese Krise kann uns auch helfen, die Vorzüge der Schweiz wieder vermehrt schätzen zu lernen.

Wie gehst du persönlich mit dieser Ausnahmesituation um?
Es ist sicher eine belastende Situation. Wir als Unternehmer haben gegenüber Arbeitnehmern und der Bauherrschaft eine grosse Verantwortung. Meine Hoffnung ist, dass auch in dieser unsicheren Zeit investiert wird, damit die Wirtschaft am Laufen gehalten wird. Dies scheint mir der wichtigste Punkt – und diesen müssen wir alle mittragen. Ich versuche, das Lachen nie zu verlieren. Wir können nach wie vor arbeiten und darüber bin ich sehr froh.
 

>>> Interview von Marc Graf, GRAF Plattenbeläge & Ofenbau, Azmoos
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